24/43

Genetik Woyzeck

eine Videokonferenz mit tödlichem Ausgang nach G. Büchner 1997
videopresse
Die beiden jungen Theaterleute nutzen geschickt die avancierte Technik um deren Gealtcharakter bloszustellen. Ein starkes Stück, das auf unvermutete Weise aktuell wirkt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung

eine frappierende und überzeugende Fassung
Frankfurter Neue Presse

Dabei ist die Inszenierung gar nicht vordergründig auf Medienkritik aus. Doch ganz nebenbei wird hier die Penetranz veranschaulicht, mit der die Technik dem Menschen auf allen Ebenen zu Leibe rückt. Bis in die Mund und Augenhöhle dringt das Kameraauge dem tragischen Helden, das Innerste seiner Natur auszuleuchten udn als Zerrbidl auf der Mattscheibe zu entblößen. Das ist im besten Sinne effekt udn wirkungsvoll
Frankfurter Rundschau

So muss der Fortschritt aussehen:...In "Genetik Woyzeck" hat das Dresdner Künstlerpaar Harriet Böge und Peter Meining den Fiktionszusammenhang von Menschen und Medien mitsamt seiner Stars ins Visier genommen. Lars Rudolph brilliert in dieser Rolle mit ausdruckstarker Mimik und provozierenden Aktionen. Auf kleinen Monitoren können die Zuschauer hautnah miterleben, was der Mediengeplagte tut: Ob er sein Gesicht im Stimmengewirr der Stars zu einer schmerzhaften Grimasse verzieht, seinen Penis aus der Hose packt und vor den Monitor hält oder alle Ecken seines Auges mit einer Taschenlampe ausleuchtet. Am Ende der surrealen Verstrickung verliert Woyzeck jeden Rest an Wahrnehmung und fällt seinen Stars zum Opfer. Er wird von ihnen getötet und muss noch im Sterben die Stimmen aus der künstlichen Welt hören. Erbarmungslos murmeln sie: "Ein guter Mord, ein echter Mord, ein schöner Mord, so schön, als man ihn nur verlangen tun kann, wir haben schon so lange keinen gehabt."
Der Spiegel

Durch die geschickte Montage der stark individualisierten erwächst eine Dynamik die soghaft wirkt. ...wunderbar das Wechselspiel zwischen verletzter Unschuld uns aufkommendem Zweifel.
TAZ

Die beiden Inszenatoren haben mit diesem Experiment einen schier unermesslichen Raum für Interpretation geschaffen. Darum ganz einfach: Bild aus Ton weg Schasupiel lebt!
Berliner Zeitung

Genetik Woyzeck ist multimediales Theater im besten, im eigentlichen Wortsinn. Das Theater funktionierte als Ausstellung ohne die Begrenzung des Musealen. Sakrale und funktionale, moderne udn postmoderne Diskursuniversen brachen sich ineinader, projezierten einen übergeschichlichen Wahrnehmungsraum mitten hinein in den trägen udn traditionell beladenen Raum. Ein etheatrale Ausstellung von schmerzhafter Dichte udn trotz aller Technokratie- atemberaubender Sinnlichkeit entstand.
Theater der Zeit

Es entsteht ein medialer Mix, der einem den Boden unter den Füßen wegzieht.
Die Welt

Die zeitgemäße Performance ist alle jenen zu empfehlen, die noch an Kroetz dampfenden Dorfrealismus der Schauspielhaus Inszenierung laborieren.
Hamburger Abendblatt

Hier wird das Theater vom Theater befreit, die Sprache vom Sprechenden getrennt, die Emotionen seziert, wie Organe in der Anatomie. Genetik Woyzeck ist ein kühl berechnendes, technikversessens Experiment , kalt wie Woyzecks Widersacher.
Stuttgarter Nachrichten
Auf der Bühen nur eine weiße Couch. Auf ihr hat der einzig, leibhaftige Schauspieler Lars Rudolph Platz genommen. Er spiet Woyzeck- der Rest ist Fiktion.Mit einer Micro Kamera filmt er sich bis ins Intimste- was auf Monitoren im Zuschauerraum widergegeben wird. Seine Gegespieler treten nicht leibhaftig auf, sondern sind als lebendige Bilder auf zwei riesige Leinwände verbannt. Es sind Stars der Medienwelt. Ihre Medienpräzenz steht im Kontast zur leibhaftigen Anwesenheit Woyzecks und verdeutlicht: "Kunst heute macht den Betrachter darauf aufmerksam das er in einem Leib steckt." Beat Wyss